13 kommentierte Aphorismen und Zitate – Stand: 14. Mai 2011
Nr. 11 – 25. Dez. 2010
Es ist unphilosophisch, zu viel von der Philosophie zu verlangen. – Vytautas Karalius
Dieser Satz ironisiert nicht nur das Glücksversprechen der Weisheit, sondern thematisiert auch den ‚Skandal der Philosophie’. In der Kritik der reinen Vernunft (1781/87) beklagt Immanuel Kant, dass die abendländische Metaphysik keinen „genugtuenden Beweis“ für das „Dasein der Dinge außer uns“ erbracht habe, weshalb man es noch immer „auf bloßen Glauben [hin] annehmen [müsse]“. Seine Anforderungen an die eigene Disziplin sind sehr hoch. Nachgeborene Denker kritisierten, dass er den an Empirie und Faktizität orientierten Positivisten eine Vorlage zur Diskreditierung der Geisteswissenschaft geliefert hätte. 140 Jahre später antwortete etwa Martin Heidegger: „Der Skandal der Philosophie besteht nicht darin, dass [der] Beweis [der Außenwelt] bislang aussteht, sondern darin, dass solche Beweise immer wieder erwartet und versucht werden.“ Der Aphorismus des litauischen Schriftstellers Karalius (Jg. 1931) dekuvriert überzogene Erkenntnisansprüche und bekennt sich dennoch zum meditativen Leben.
Alexander Eilers
Aphorismus aus: Vytautas Karalius, Flöhe in der Zwangsjacke. Aphorismen, Paradoxa, ironische Anspielungen. Zum 80. Geburtstag. Hrsg. und mit einem Nachw. vers. von Alexander Eilers. Fernwald: litblockín, 2011, S. 8
Stichworte: erwartung beweis evidenz erkenntnis immanuel kant martin heidegger vytautas karalius alexander eilers
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Nr. 8 – 14. Mai 2010
„Die Idee eines übermächtigen göttlichen Wesens ist überall vorhanden, wenn nicht bewußt, so doch unbewußt, denn sie ist ein Archetypus.“ – Carl Gustav Jung
Der stetige Wandel, das Fließen von Energie – das war Heraklits Entdeckung. Als Wirkprinzip der Welt erfand er sich den Lógos. Dem Menschen erfand er den kleingeschriebenen lógos, der befähigte den großen wahrzunehmen und sich selbst darin zu erkennen. Es gab also das äußere, im Großen wirkende Prinzip und das innere kleine.
Gott ist der Gegenpol des Ichs, das sich ebenso immateriell erlebt und sich durch Vorstellung, Traum und Phantasie in vielerlei Jenseits begeben kann. So ist ihm das Prinzip göttlicher Allgegenwart vertraut. Zum einen ist der eigene unsichtbare Geist ein GottesBeweis, zum anderen weiß ich, dass ich die Existenz meines Geistes einem anderen, nämlich Gott schulde. Urtypus ist er, weil es von Anfang an etwas gibt, das sich von allem, auch vom geringsten, abstößt: Information. Auch sie ist unsichtbar und trotzdem überall, wo Dasein ist. Sie entsteht aus Verboten, die das Ding dem Nichts aufgibt, und kann – wie Gott – nicht nichtexistieren.
Frank Milautzcki
Zitat aus: Carl Gustav Jung, Das Unbewußte im normalen und kranken Seelenleben. 1926. S. 103 f.
Stichworte: gott bewusstsein heraklit lógos traum phantasie carl gustav jung frank milautzcki
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