13 kommentierte Aphorismen und Zitate – Stand: 14. Mai 2011
Nr. 5 – 21. Apr. 2008
Mein Wort ergreift den Satz wie die Zukunft – Elazar Benyoëtz
Immer wieder habe ich den Eindruck, dass Benyoëtz’ Bücher aus der Faszination durch wenige Gesten und Gesichtsausdrücke entwickelt ist: ein mimisch gestikuliertes Abwägen, ein frotzelnder oder nachsinnender Blick, ein schallendes, ein gutturales Lachen, ein Kraulen im Bart. Der Körper mündet dann in solche Gesten wie in Blüten. Formgewinn ist Lebensverheißung. Darin ist sein Werk auch eines der Sehnsucht nach der Wiederkehr des Körpers im Text.
Die Bildersüchtigen formieren eine ökonomisch und politisch immer mächtigere Sozietät. Im Gegenzug sieht sich eine Geheimgesellschaft von Reaktionären und Renegaten „gebrochener Herzen“ herausgefordert. Und pseudoutopische Bilder sind es immer wieder, nach denen später auch die Liebenden unterwegs sind.
Zwischen den Fronten steht Benyoëtz. Zu seiner Conditio Judaica gehört die Spannung von „Verlassen“ und „Verlass“, durchaus auch von Bildskepsis und einer vitalen Lust an der bella figura des Einsatzes.
Christoph Grubitz
Aphorismus aus: Elazar Benyoëtz, Die Eselin Bileams und Kohelets Hund. München: Hanser, 1. Aufl. 2007, S. 36
Stichworte: erkenntnis bild judentum geste elazar benyoëtz christoph grubitz
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