13 kommentierte Aphorismen und Zitate – Stand: 14. Mai 2011
Nr. 2 – 27. Jan. 2008
Was aller Beschreibung spottet, ist Poesie – Elazar Benyoëtz
Eigentlich verbieten sich hier Amplifikationen, die letztlich immer beschreibenden Charakter haben. Dennoch wage ich eine Annäherung an den Satz, dessen Poesie eine unaufdringliche ist, ja sogar in dieser Unscheinbarkeit besteht. Dass vorliegender Einspruch nicht sprachlich, z.B. mit einem originellen, „blendwerklichen“ (Benyoëtz) Wortwitz, sondern „sachlich pointiert“ (Harald Fricke) ist, bezeugt seine Qualität. Es treffen sachliche Pointe und Definitionsaphorismus zusammen, denn über das Wesen der Poesie wird hier zunächst eine Aussage getroffen. Dieser Befund ignoriert aber die Balance der beiden Satzglieder. Benyoëtz wertet gleichzeitig die feste Wendung „was aller Beschreibung spottet“, die gewöhnlich zum Vokabular des Wutausbruchs gehört, in ihr Gegenteil um. Nicht nur das, das uns wütend und – im einfachen Wortsinn – sprachlos macht, scheut weitschweifend-redselige, verwässernde Erläuterungen, sondern auch die höchste Form der Sprache: die Poesie.
Tobias Grüterich
Aphorismus aus: Elazar Benyoëtz, Das Mehr gespalten. Einsprüche. Einsätze. Jena; Dresden: Edition AZUR im Glaux Verlag, 2007, S. 98
Stichworte: sprache unsagbar wut literatur beschreibung unscheinbar definition harald fricke elazar benyoëtz tobias grüterich
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